Insightspower-networkingStrombedarf fürs Event berechnen: kW/kVA für Ton, Licht, LED (mit Praxiswerten)

Strombedarf fürs Event berechnen: kW/kVA für Ton, Licht, LED (mit Praxiswerten)

Praxisguide für Eventtechnik: Lastplanung ohne Rätselraten: kW/kVA/cosφ, Verbraucherlisten, Peak vs typisch, Reserve und Phasenbalance
Planungslogik für stabile Infrastruktur: Last, Reserve, Phasenbalance, Verteilungen und typische Feld‑Pitfalls.
Power Planning & Infrastruktur · 7 min read · Updated 2026-03-07

Lastplanung ohne Rätselraten: kW/kVA/cosφ, Verbraucherlisten, Peak vs typisch, Reserve und Phasenbalance – inkl. Beispiel-Setup für Corporate & Festival.

In diesem Guide
  1. 📌 Ziel dieses Guides
  2. 1) kW, kVA und cosφ – die 60-Sekunden-Erklärung
  3. 2) Methode: Erst Liste, dann Kategorien, dann Peak vs typisch
  4. Schritt A: Verbraucher-Liste (wirklich vollständig)
  5. Schritt B: Kategorien bilden
  6. Schritt C: Peak vs typisch
  7. 3) Praxiswerte (damit Sie eine Plausibilität haben)
  8. 4) Beispiel 1: Corporate Event (200–400 Pax), Indoor
  9. 5) Beispiel 2: Outdoor Bühne (Festival Slot), mit Generator
  10. 6) Phasenbalance & Verteilung: Der Unterschied zwischen „geht“ und „läuft“
  11. ✔ Checkliste: Was wir für eine belastbare Berechnung brauchen
  12. Praxis/Erfahrung: 3 Dinge, die im Feld immer wieder passieren
  13. 🧾 Fazit
  14. Planst du ein Event?
  15. Weitere Insights
  16. Author

Ziel dieses Guides

Praxisregel
Plane immer Summe (kW) und Phasenbalance – die falsche Verteilung ist der häufigste Show‑Stopper. Check: Reserve einplanen (typisch +20–30%) und kritische Verbraucher (Video/Control) bevorzugt sauber trennen.

Nicht „irgendwie Strom“, sondern stabile Power: keine Trips, keine Spannungseinbrüche, keine Überraschungen im Headliner. Dafür brauchen Sie eine Lastplanung, die Peak und typische Last trennt und am Ende zu einem Verteilkonzept führt (Phasen, Kreise, Reserve).

Wichtig: Dieser Artikel ist eine praxisnahe Produktionssicht (keine Normberatung). Wenn die Location/Behörde spezifische Anforderungen hat, planen wir das natürlich ein.

Diagramm 1 · Konzept
strombedarf-event-berechnen-kw-kva-ton-licht-led technical concept diagram
Konzept‑Skizze: Kernprinzip im Überblick.
Diagramm 2 · Workflow
strombedarf-event-berechnen-kw-kva-ton-licht-led workflow diagram
Workflow‑Skizze: wie du das Thema im Timeslot sauber abarbeitest.
Diagramm 3 · Pitfalls
strombedarf-event-berechnen-kw-kva-ton-licht-led pitfalls diagram
Pitfalls‑Skizze: typische Fehlerquellen + Gegenmaßnahmen.

1) kW, kVA und cosφ – die 60-Sekunden-Erklärung

  • kW = Wirkleistung (das, was „verbraucht“ wird)
  • kVA = Scheinleistung (relevant für Generatoren, manche Verbraucher)
  • cosφ = Leistungsfaktor (vereinfacht: wie „effizient“ die Leistung genutzt wird)

Praxisregel:

  • Bei modernen Schaltnetzteilen (LED, IT) ist kW oft der bessere Anker für die Planung, aber Generator-/USV-Seite und manche Datenblätter nutzen kVA.
  • Wenn Sie unsicher sind: planen Sie konservativ, und definieren Sie Reserve.

2) Methode: Erst Liste, dann Kategorien, dann Peak vs typisch

Schritt A: Verbraucher-Liste (wirklich vollständig)

Nehmen Sie nicht nur „Ton/Licht/LED“, sondern die unsichtbaren Posten dazu:

  • Regie/Video/Processing/Medienserver
  • Backline/Monitore
  • Netzwerk, Switches, Funk
  • Catering/Kühlschränke (wenn über Produktionsstrom läuft)
  • Hazer/Fog
  • Ladegeräte, Worklights

Schritt B: Kategorien bilden

Wir gruppieren meist so:

  • Audio
  • Licht
  • LED/Video
  • Rigging/Stage
  • FOH/Regie/IT

Schritt C: Peak vs typisch

Beispiel: Licht hat Peaks (Strobes/Blinder), Audio hat Peaks (Kick), LED hat relativ konstante Last, aber kann je nach Content variieren (weiß = mehr).


3) Praxiswerte (damit Sie eine Plausibilität haben)

Diese Werte sind absichtlich als Größenordnung gedacht – nicht als Angebot:

  • LED Wall (Indoor): je nach Typ/Content grob 1–3 kW pro 10 m² (Spitzen höher möglich, Weißanteil zählt)
  • LED Wall (Outdoor, hohe Helligkeit): grob 2–5 kW pro 10 m² (je nach Nits, Content, Dimming)
  • FOH/Regie (klein): 0,5–2 kW (Switches, Laptops, kleine Controller)
  • Moving Lights / Showlicht: extrem abhängig – Peaks sind der Grund, warum wir hier Reserve lieben
  • Audio (PA + Amps/Controller): stark setupabhängig; oft stabiler als man denkt, aber Peaks sind real

Wenn Sie uns die Geräte-/Setupliste geben, rechnen wir das sauber nach – die Praxiswerte sind zum Abgleich da: „bin ich komplett daneben?“


4) Beispiel 1: Corporate Event (200–400 Pax), Indoor

Setup (vereinfacht):

  • LED Wall 6×3 m indoor
  • Showlicht (mittel)
  • PA L/R + Subs
  • FOH/Regie

Typische Planung (praxisnah):

  • LED/Video: 6–10 kW (inkl. Processing + Reserve)
  • Licht: 6–12 kW (je nach Fixture/Dimmer/LED)
  • Audio: 3–6 kW
  • FOH/IT: 1–2 kW

Ergebnis: Wir landen oft bei ~20–30 kW Planung + Reserve, verteilt auf mehrere Kreise/Phasen.

Wichtig: Selbst wenn die Summe „geht“, kann eine falsche Verteilung (alles auf einer Phase / ein RCD) Ihnen den Abend zerlegen.


5) Beispiel 2: Outdoor Bühne (Festival Slot), mit Generator

Setup (vereinfacht):

  • Outdoor LED (hell)
  • kräftiges Licht
  • große PA
  • zusätzliche Infrastruktur (Backstage, Funk, Netzwerk)

Praxis-Probleme, die wir hier abfangen:

  • Lastsprünge (Licht) → Spannungseinbruch
  • Frequenz drift (Generator) → Video/Audio empfindlich
  • lange Leitungen → Spannungsfall

Ergebnis-Logik:

  • Generator nicht „auf Kante“, sondern mit Reserve und sauberer Verteilung
  • kritische Systeme (Regie/Video/Netzwerk) ggf. getrennt / mit USV

6) Phasenbalance & Verteilung: Der Unterschied zwischen „geht“ und „läuft“

Wenn Sie Drehstrom haben, ist die Aufgabe nicht nur „kW“, sondern:

  • Welche Kreise auf welche Phase?
  • Welche Kreise sind kritisch (Showstopper)?
  • Wo kann ich trennen? (Audio vs LED/Video vs Licht)

Praxisregel:

  • Audio/Regie möglichst nicht mit „dreckigen“ Lasten (Strobes, Nebel, Motoren) mischen
  • LED/Video braucht stabile Spannung; starke Peaks auf derselben Phase sind ein Risiko

Checkliste: Was wir für eine belastbare Berechnung brauchen

  • [ ] Venue-Strom: Welche CEE (16/32/63A), wo, wann verfügbar?
  • [ ] Geräte-/Setup-Liste (oder zumindest: LED-Fläche, Licht-Count, PA-Größe)
  • [ ] Running Order / Peak-Momente (z.B. Showteil, Headliner)
  • [ ] Generator ja/nein, Kabellängen, Verteilpunkte
  • [ ] Verantwortlichkeiten: Wer darf umstecken? Wer misst?

Praxis/Erfahrung: 3 Dinge, die im Feld immer wieder passieren

  1. „Wir haben 32A, passt schon“ – und dann hängt LED+Licht+Audio auf einem RCD.
  2. Keine Messung/Monitoring – Fehler wird erst sichtbar, wenn’s knallt.
  3. Unklare Übergabe am Hausanschluss – niemand fühlt sich zuständig, bis es zu spät ist.

Fazit

Strombedarf berechnen heißt: Liste → Kategorien → Peak/typisch → Reserve → Verteilung. Wenn Sie das konsequent machen, sind Strom-Überraschungen am Showtag selten.


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Weitere Insights


Author

Autor
Ing. Marc Hiedl
Sound Engineer & Founder DROPIT Productions
Marc Hiedl plant seit Jahren professionelle Systeme für Live‑Events – mit Fokus auf Coverage, Workflow und belastbare Setups im Timeslot.
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FAQ
Wie viel Reserve sollte ich einplanen?

Als Produktionsregel: lieber konservativ. Je nach Setup planen wir oft 20–30% Reserve ein – nicht nur in Summe, sondern auch pro Phase/Kreis. Peaks und Umbauten passieren im echten Leben.

Warum reicht es nicht, nur die Gesamt-kW zu kennen?

Weil Trips/Probleme meistens aus der Verteilung kommen (Phase/RCD/Kreis), nicht aus der Summe. Ein einzelner überlasteter Kreis kann die Show stoppen, obwohl die Gesamtleistung „eigentlich“ passen würde.

LED-Wände: zieht „weiß“ wirklich mehr Strom?

Ja. Content beeinflusst die Leistungsaufnahme (Weißanteil/ Helligkeit). Darum planen wir LED/Video mit Reserve und definieren einen Dimming-Workflow – vor allem outdoor.

Welche Infos soll ich euch schicken für eine schnelle Einschätzung?

Mindestens: LED-Fläche (m²) + indoor/outdoor, grobe Lichtliste, PA-Größe, Venue-Strom (CEE + Position), und ob Generator im Spiel ist. Mit Running Order können wir Peak-Momente besser bewerten.