Ziel dieses Guides
Nicht „irgendwie Strom“, sondern stabile Power: keine Trips, keine Spannungseinbrüche, keine Überraschungen im Headliner. Dafür brauchen Sie eine Lastplanung, die Peak und typische Last trennt und am Ende zu einem Verteilkonzept führt (Phasen, Kreise, Reserve).
Wichtig: Dieser Artikel ist eine praxisnahe Produktionssicht (keine Normberatung). Wenn die Location/Behörde spezifische Anforderungen hat, planen wir das natürlich ein.
1) kW, kVA und cosφ – die 60-Sekunden-Erklärung
- kW = Wirkleistung (das, was „verbraucht“ wird)
- kVA = Scheinleistung (relevant für Generatoren, manche Verbraucher)
- cosφ = Leistungsfaktor (vereinfacht: wie „effizient“ die Leistung genutzt wird)
Praxisregel:
- Bei modernen Schaltnetzteilen (LED, IT) ist kW oft der bessere Anker für die Planung, aber Generator-/USV-Seite und manche Datenblätter nutzen kVA.
- Wenn Sie unsicher sind: planen Sie konservativ, und definieren Sie Reserve.
2) Methode: Erst Liste, dann Kategorien, dann Peak vs typisch
Schritt A: Verbraucher-Liste (wirklich vollständig)
Nehmen Sie nicht nur „Ton/Licht/LED“, sondern die unsichtbaren Posten dazu:
- Regie/Video/Processing/Medienserver
- Backline/Monitore
- Netzwerk, Switches, Funk
- Catering/Kühlschränke (wenn über Produktionsstrom läuft)
- Hazer/Fog
- Ladegeräte, Worklights
Schritt B: Kategorien bilden
Wir gruppieren meist so:
- Audio
- Licht
- LED/Video
- Rigging/Stage
- FOH/Regie/IT
Schritt C: Peak vs typisch
Beispiel: Licht hat Peaks (Strobes/Blinder), Audio hat Peaks (Kick), LED hat relativ konstante Last, aber kann je nach Content variieren (weiß = mehr).
3) Praxiswerte (damit Sie eine Plausibilität haben)
Diese Werte sind absichtlich als Größenordnung gedacht – nicht als Angebot:
- LED Wall (Indoor): je nach Typ/Content grob 1–3 kW pro 10 m² (Spitzen höher möglich, Weißanteil zählt)
- LED Wall (Outdoor, hohe Helligkeit): grob 2–5 kW pro 10 m² (je nach Nits, Content, Dimming)
- FOH/Regie (klein): 0,5–2 kW (Switches, Laptops, kleine Controller)
- Moving Lights / Showlicht: extrem abhängig – Peaks sind der Grund, warum wir hier Reserve lieben
- Audio (PA + Amps/Controller): stark setupabhängig; oft stabiler als man denkt, aber Peaks sind real
Wenn Sie uns die Geräte-/Setupliste geben, rechnen wir das sauber nach – die Praxiswerte sind zum Abgleich da: „bin ich komplett daneben?“
4) Beispiel 1: Corporate Event (200–400 Pax), Indoor
Setup (vereinfacht):
- LED Wall 6×3 m indoor
- Showlicht (mittel)
- PA L/R + Subs
- FOH/Regie
Typische Planung (praxisnah):
- LED/Video: 6–10 kW (inkl. Processing + Reserve)
- Licht: 6–12 kW (je nach Fixture/Dimmer/LED)
- Audio: 3–6 kW
- FOH/IT: 1–2 kW
Ergebnis: Wir landen oft bei ~20–30 kW Planung + Reserve, verteilt auf mehrere Kreise/Phasen.
Wichtig: Selbst wenn die Summe „geht“, kann eine falsche Verteilung (alles auf einer Phase / ein RCD) Ihnen den Abend zerlegen.
5) Beispiel 2: Outdoor Bühne (Festival Slot), mit Generator
Setup (vereinfacht):
- Outdoor LED (hell)
- kräftiges Licht
- große PA
- zusätzliche Infrastruktur (Backstage, Funk, Netzwerk)
Praxis-Probleme, die wir hier abfangen:
- Lastsprünge (Licht) → Spannungseinbruch
- Frequenz drift (Generator) → Video/Audio empfindlich
- lange Leitungen → Spannungsfall
Ergebnis-Logik:
- Generator nicht „auf Kante“, sondern mit Reserve und sauberer Verteilung
- kritische Systeme (Regie/Video/Netzwerk) ggf. getrennt / mit USV
6) Phasenbalance & Verteilung: Der Unterschied zwischen „geht“ und „läuft“
Wenn Sie Drehstrom haben, ist die Aufgabe nicht nur „kW“, sondern:
- Welche Kreise auf welche Phase?
- Welche Kreise sind kritisch (Showstopper)?
- Wo kann ich trennen? (Audio vs LED/Video vs Licht)
Praxisregel:
- Audio/Regie möglichst nicht mit „dreckigen“ Lasten (Strobes, Nebel, Motoren) mischen
- LED/Video braucht stabile Spannung; starke Peaks auf derselben Phase sind ein Risiko
Checkliste: Was wir für eine belastbare Berechnung brauchen
- [ ] Venue-Strom: Welche CEE (16/32/63A), wo, wann verfügbar?
- [ ] Geräte-/Setup-Liste (oder zumindest: LED-Fläche, Licht-Count, PA-Größe)
- [ ] Running Order / Peak-Momente (z.B. Showteil, Headliner)
- [ ] Generator ja/nein, Kabellängen, Verteilpunkte
- [ ] Verantwortlichkeiten: Wer darf umstecken? Wer misst?
Praxis/Erfahrung: 3 Dinge, die im Feld immer wieder passieren
- „Wir haben 32A, passt schon“ – und dann hängt LED+Licht+Audio auf einem RCD.
- Keine Messung/Monitoring – Fehler wird erst sichtbar, wenn’s knallt.
- Unklare Übergabe am Hausanschluss – niemand fühlt sich zuständig, bis es zu spät ist.
Fazit
Strombedarf berechnen heißt: Liste → Kategorien → Peak/typisch → Reserve → Verteilung. Wenn Sie das konsequent machen, sind Strom-Überraschungen am Showtag selten.
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Weitere Insights
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