Kurz gesagt
Eine LED-Wand ist selten dann "fertig", wenn die letzten Module hängen. Für eine belastbare Zeitplanung müssen Sie Hardware, Signal/Processing, Content-Workflow und Venue-Access getrennt betrachten. In der Praxis arbeiten wir mit drei Meilensteinen:
- HARDWARE READY (mechanisch fertig, Strom da)
- FIRST PIXEL (Bild sichtbar, Signalweg steht)
- READY FOR SHOW (Mapping/Color/Redundanz getestet, Abnahme/Probe erledigt)
Wenn Sie nur "Aufbauzeit" schätzen, ohne diese Meilensteine, verlieren Sie am Showtag Zeit genau dort, wo sie am teuersten ist: im Timeslot.
1) Groundsupport vs flown: Der größte Zeit-Hebel
Groundsupport (stehend) ist häufig schneller, wenn:
- der Boden frei ist,
- die Front-of-House-Sichtlinien es erlauben,
- keine komplexen Punkte/Lasten/Abnahmen nötig sind.
Flown (hängend) wird schnell zum Zeitfaktor, wenn:
- das Rigging-Fenster kurz ist,
- der Zugang zum Grid/Truss begrenzt ist,
- Lasten erst freigegeben werden müssen,
- Sie erst spät "Lasten" (Gewichte, Punkte, Höhen) final bekommen.
Praxisbeispiel (Corporate, 6×3 m, indoor):
- Groundsupport mit sauberen Access-Wegen: Hardware ready in ~2:00–3:00h
- Flown an vorhandener Truss, aber Rigging-Slot nur 90 min: Hardware ready kann >3:00h werden, weil der Slot bestimmt, nicht die Fläche.
2) Fläche ist nicht der Treiber – die Randbedingungen sind es
Die "m²" korrelieren nur grob. Diese Faktoren treiben Zeit überproportional:
- Access/Logistik: Aufzug klein, lange Wege, enge Türen, keine Rollwege
- Timeslots: Load-in Fenster, Lärmschutz, Venue-Restriktionen
- Rigging-Freigabe: Punkte/Statik nicht final → Warten
- Strom: Zuleitungen/CEE nicht dort, wo sie gebraucht werden
- Signal: FOH-Position, Patchfelder, Glasfaser/SDI/HDMI, EDID
- Content: falsches Canvas, falsche Framerate, fehlende Safe-Zones
Heuristik aus Produktion: Wenn Access schlecht ist, planen wir lieber mit "Module pro Stunde" statt "m² pro Stunde".
3) Rollen & Team: Wer macht was wann?
Ein häufiger Fehler: "LED-Team" wird als eine Rolle gedacht. Für einen stabilen Ablauf brauchen Sie (mindestens) diese Verantwortungen:
- LED Lead / Supervisor: Aufbaukoordination, Safety, Abnahme
- Video/Processing: Mapping, Input-Setup, Testpattern, Redundanz
- Content/Playback: Medien-Check, Export/Codec, Notfall-PPT
- Rigging (falls flown): Punkte, Motoren, Lasten, Freigabe
Wenn Processing/Content erst kommt, nachdem Hardware hängt, verschiebt sich "First Pixel" unnötig nach hinten.
4) Mapping ist nicht "nice-to-have" – es ist Teil der Aufbauzeit
Für ein Event zählt nicht, ob die Wand hängt, sondern ob sie zuverlässig Bild macht. Zeitfresser sind meistens:
- EDID/Scaling: Quelle liefert nicht die erwartete Auflösung
- Port-Doku: Kabel sind nicht beschriftet, Receiver/Ports unklar
- Color/Calibration: sichtbare Modul-Kanten, Helligkeit zu hoch
- Redundanz: Backup-Input nicht getestet → Risiko am Show
Praxis-Workflow (bewährt):
- Testpattern (Grid + Full White + Color Bars)
- 1:1 Pixelmapping prüfen
- Backup-Input aufschalten
- Helligkeit (Day/Evening) definieren + Owner festlegen
5) Zeitplan-Template (realistisch, mit Puffern)
Beispiel: 6×3 m Indoor, Groundsupport, 4p Team
- 00:00–00:30 Anlieferung/Positionierung Cases
- 00:30–02:30 Mechanik + Verkabelung + Strom (Hardware ready)
- 02:30–03:00 Processing/Patch (First Pixel)
- 03:00–03:45 Mapping/Color/Backup-Input (Ready for show)
- 03:45–04:15 Clean-up + Beschriftung + Doku
Beispiel: 8×4 m Outdoor, flown, mit Rigging-Slot
- Rigging-Slot bestimmt Start/Ende (z.B. 90–120 min)
- Planen Sie separat: Vorbereitungen am Boden + Hängezeit + Nacharbeiten (Processing)
- "Ready for show" wird oft erst nach dem Slot erreicht → unbedingt Zeit dafür reservieren
Checkliste: Damit die LED-Wand im Slot wirklich fertig wird
Venue / Access
- [ ] Load-in Fenster & Weg (Rampe, Aufzug, Türbreiten)
- [ ] FOH-Position + Kabelwege definiert
- [ ] Timeslots / Security / Lärmschutz bekannt
Rigging (falls flown)
- [ ] Punkte/Lasten/Höhen final + freigegeben
- [ ] Motoren/Chain Hoists + Notfallplan
Power
- [ ] CEE/Verteilung dort, wo Wall + Processing stehen
- [ ] getrennte Kreise: LED/Video vs Audio (wenn möglich)
Signal/Processing
- [ ] Input-Auflösung/Framerate klar
- [ ] Testpattern vorhanden
- [ ] Backup-Input getestet
Content
- [ ] Canvas stimmt zur Pixelmatrix
- [ ] Safe-Zones / Typo-Größen geprüft
- [ ] Notfall-Datei (PPT/Still) vorbereitet
Praxis/Erfahrung: 3 typische Zeit-Fallen
- „First Pixel“ wird als „fertig“ verkauft → dann fehlt noch Mapping/Backup/Color.
- Unklare Verantwortlichkeit fürs Dimming (Outdoor Tag/Abend) → ständiges Hin-und-her.
- Keine Port-/Kabel-Labels → Fehlersuche frisst den Slot.
Fazit
Wenn Sie LED-Aufbauzeiten planen, planen Sie nicht „m²“, sondern Meilensteine und Randbedingungen. Damit wird der Ablauf kalkulierbar – und die LED-Wand ist dann fertig, wenn das Event es braucht: Ready for show.
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