Das häufigste Problem
Viele Probleme am Showtag beginnen bei der Content-Abgabe: Logos werden verzerrt, Text ist abgeschnitten oder unscharf, Videos ruckeln. Fast immer liegt es daran, dass der Content für einen Fernseher gebaut wurde – nicht für die tatsächliche LED-Wand.
1) Die echte Auflösung berechnen
Eine LED-Wand besteht aus Cabinets (Modulen), meist 500 × 500 mm oder 500 × 1000 mm. Jedes Cabinet hat eine feste Pixelanzahl, die vom Pixelpitch abhängt (Abstand zwischen zwei Pixeln in mm).
Formel: Wandbreite (mm) ÷ Pixelpitch (mm) = Pixel in der Breite
Am genauesten rechnest du über die Cabinets laut Datenblatt:
- P2,6: 192 × 192 px pro 500er-Cabinet
- P2,9: 168 × 168 px
- P3,9: 128 × 128 px
- P4,8: 104 × 104 px
Beispiel: Wand 6 × 3 m aus 500er-Cabinets mit P3,9 → 12 × 6 Cabinets → 1536 × 768 px. Das ist ein Seitenverhältnis von 2:1, nicht 16:9.
2) Seitenverhältnis: für die Wand gestalten, nicht für den Beamer
LED-Wände sind oft breiter (2:1, 3:1) oder haben ungewöhnliche Formen. Wird 16:9-Content einfach skaliert, entstehen schwarze Balken oder Verzerrungen.
- Content nativ im Seitenverhältnis der Wand gestalten
- Bei mehreren Flächen (Center + Sidewalls) gibt es meist eine gemeinsame Pixelmap, auf der alle Flächen nebeneinander liegen
- Safe Areas einplanen: Wo verdecken Bühnenaufbauten, Pult, Truss oder Personen einen Teil der Wand?
3) Formate und Codecs
Was am Showtag abgespielt wird, hängt vom Zuspieler ab (einfacher Player, Laptop oder Medienserver). Bewährt hat sich:
- Videos für einfache Zuspielung: MP4 mit H.264, in voller Pixel-Auflösung der Wand
- Videos für Medienserver (z. B. Resolume): Codecs wie HAP oder ProRes, die sich ruckelfrei und framegenau abspielen lassen
- Standbilder und Logos: PNG (bei Bedarf mit Transparenz)
- Präsentationen: möglichst als Video oder Bilder exportieren – PowerPoint auf ungewöhnlicher Auflösung macht oft Probleme
Framerate: In Europa sind 25 oder 50 fps üblich. Das passt zu Stromnetz, Kameras und Livestream und vermeidet Ruckeln und Flimmern im Kamerabild.
Farbraum: Standard ist Rec. 709 / sRGB. Exportiere ohne exotische Farbprofile.
4) Gestaltung: was auf LED gut aussieht
- Dunkle Hintergründe wirken auf LED hochwertig: Schwarz ist „aus“, das spart Strom und blendet nicht
- Vollflächiges Weiß vermeiden: blendet das Publikum, sieht auf Kamera schlecht aus und zieht maximale Leistung
- Feine Linien und kleine Schrift werden bei grobem Pitch unscharf – lieber kräftige Schriften und große Schriftgrößen
- Lesbarkeit aus der letzten Reihe testen, nicht am Schreibtisch
- Bewegung: schnelle, kontrastreiche Muster flimmern auf Kamera – bei Livestream oder IMAG vorher testen
5) Abgabe: so läuft es am Showtag
- Content-Abgabe einige Tage vor dem Event, damit getestet werden kann
- Klare Dateinamen: Reihenfolge, Programmpunkt, Version (z. B.
03_Keynote-Intro_v2.mp4) - Alle Fonts als Grafik eingebettet, keine Live-Abhängigkeiten
- Ein Backup auf separatem Datenträger
- Eine Run-Order (Ablauf), wann welcher Content läuft
Quick-Checklist Content
- ✓ Pixelmap mit exakter Auflösung erhalten
- ✓ Content nativ in Wand-Auflösung und Seitenverhältnis
- ✓ Safe Areas berücksichtigt
- ✓ Codec passend zum Zuspieler, 25/50 fps
- ✓ Lesbarkeit und Kamera-Tauglichkeit getestet
- ✓ Abgabe rechtzeitig, mit Run-Order und Backup
Fazit
Guter LED-Content beginnt bei der richtigen Pixelmap. Wer die echte Auflösung kennt, im passenden Seitenverhältnis gestaltet und in einem stabilen Format abgibt, hat am Showtag scharfe Bilder statt Stress.
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